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Aktuelle Analyse: Bonität deutscher Unternehmen
Bonität deutscher Unternehmen, Jahr 2010
Die Krise als Stresstest - 113.000 Unternehmen bleiben 2010 ausfallgefährdet
Neuss, 07.09.2010
Die deutschen Unternehmen haben den Krisenschock im vergangenen Jahr überstanden. Allerdings wurde die Bonität der Unternehmen, sprich ihre Zahlungsfähigkeit, durch den Konjunktureinbruch und die Finanzierungsengpässe erheblich angegriffen.
Derzeit beträgt der Anteil der Unternehmen, denen eine sehr schwache Bonität bescheinigt werden muss, 3,46 Prozent. Das entspricht deutschlandweit etwa 113.000 von 3,3 Millionen Unternehmen, die als risikoreich eingestuft werden. Das heißt, diese Unternehmen weisen eine nur eingeschränkte Widerstandsfähigkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen und (weiteren) Veränderungen der Finanzierungsbedingungen auf. Reißt der wirtschaftliche Aufschwung ab, drohen viele Unternehmen aus dieser Risikogruppe ihre Bonität zu verlieren und insolvent zu werden.
Die wieder erstarkten Wachstumskräfte der deutschen Wirtschaft beeinflussen die Bonität des Unternehmenssektors seit dem Frühjahr 2010 positiv. Die Liquiditätssituation in den Betrieben verbesserte sich, es konnten wieder mehr Firmen ihre Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllen. So hat sich der Anteil der als instabil klassifizierten Firmen gegenüber dem Jahresende 2009 von 115.000 auf 113.000 leicht verringert (minus 1,7 Prozent).
Mehr schlechte Bonitäten und weniger sehr gute
Deutlich mehr Unternehmen als vor Anbruch der Krise werden mit einer sehr schwachen Bonität bewertet. Im Gleichschritt werden sehr gute und gute Bonitätsbewertungen weniger oft vergeben. So ist die Zahl der Unternehmen, die in die höchste Risikogruppe eingeordnet werden, seit Rezessionsbeginn um 6,4 Prozent gestiegen. Demgegenüber verlor die Klasse mit ausgezeichneter Bonität 14,3 Prozent der Unternehmen.
Die Ausdifferenzierung der Bonitätsnoten in ausfallgefährdete und bonitätsstarke Unternehmen zeigt sich deutlich mit dem Übergreifen der Bankenkrise auf die Realwirtschaft in Deutschland: Allein auf dem Höhepunkt der Rezession, im ersten Quartal 2009, schrumpfte die Gruppe der Unternehmen mit einer ausgezeichneten Bonität um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeitig wurden schwache und sehr schwache Bonitätsnoten häufiger erteilt als im Quartal zuvor (plus 3,9 Prozent). Erst mit der Frühjahrsbelebung des laufenden Jahres beginnt sich dieses Verhältnis wieder umzukehren. Die Zahl der Unternehmen mit schlechter Bonität stieg im zweiten Quartal 2010 nur noch leicht um 0,7 Prozent, sehr gute Bonitätsnoten wurden um 0,7 Prozent eingeschränkt.
Mittelstand Stabilitätsanker während der Krise
Die mittelständischen Unternehmen haben sich tatsächlich als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft erwiesen. Sie verzeichneten rezessionsbedingt geringfügigere Herabstufungen der Bonitäten und federten so den Absturz der Volkswirtschaft ab. Zwar gab es auch in diesem Segment seit Krisenbeginn eine stete Verschlechterung der Bonitätseinschätzungen, allerdings war die Großindustrie erheblich stärker betroffen.
In der Spitze wurden die Bonitätsnoten der Großunternehmen binnen eines Quartals viermal so stark, nämlich um vier Punkte, heruntergestuft, während kleine und mittlere Unternehmen lediglich eine Verschlechterung um gut einen Zähler hinnehmen mussten. Sowohl die Dimension als auch die Geschwindigkeit der Bonitäts-Erosion erreichte im Mittelstand während des gesamten Krisenzeitraums nicht annähernd das Ausmaß von Großunternehmen. Die höhere Volatilität der Bonitätsnoten von großen Unternehmen hat hier in jüngster Zeit, beginnend mit dem ersten Quartal 2010, aber zu einer leicht stärkeren Verbesserung der Bonitäten geführt. Auf Basis des relativ krisenstabilen Mittelstandes war damit der Boden für den Wiederaufstieg der deutschen Volkswirtschaft bereitet.
Unterschiedliche Branchenrisiken
Das Hotel- und Gastgewerbe hat unter der krisenbedingten Angst der Deutschen vor Arbeitslosigkeit und Rezession wohl am stärksten gelitten. Der Bonitätsindex der Branche erreicht nur die Note 276 und liegt damit 26 Punkte schlechter als der gesamtwirtschaftliche Durchschnittswert (250 Punkte) und 49 Zähler schlechter als die Note der am besten eingeschätzten Branche – der Chemie- und Pharmaindustrie (227 Punkte).
Wie hoch die Ausfallgefahr in den einzelnen Wirtschaftszweigen ist, wird deutlich am Anteil der Unternehmen, denen lediglich eine sehr schwache Bonität zuerkannt wird. Dieser beträgt im Bereich Gastgewerbe immerhin 8,95 Prozent, gefolgt vom Baugewerbe (4,68 Prozent) und den konsumnahen Diensten (4,66 Prozent). Neben der Wirtschaftskrise machen diesen Wirtschaftszeigen auch strukturelle Schwächen wie Eigenkapitalmangel und hoher Wettbewerbsdruck zu schaffen. Klar schlechter als der gesamtwirtschaftliche Mittelwert von 3,46 Prozent liegen auch die Wirtschaftsbereiche Unternehmensdienstleistungen (3,90 Prozent) sowie Verkehr und Logistik (3,71 Prozent). Deutlich weniger ausfallgefährdet sind demgegenüber die Wirtschaftsbereiche Chemie/Pharma (1,83 Prozent), Elektrotechnik (1,97 Prozent) und Finanzdienstleistungen (2,35 Prozent).
Wichtige Bonitätsfaktoren: Eigenkapital und Zahlungsverhalten
Die unterschiedliche finanzielle Stabilität in den Branchen spiegelt sich am Anteil eigenkapitalschwacher Firmen sowie am Zahlungsverhalten der Unternehmen wider: So weisen vier von zehn Unternehmen des Hotel- und Gastgewerbes (39,7 Prozent) eine Eigenkapitalquote auf, die unterhalb der Marke von zehn Prozent liegt. Im Kfz-Handel gelten 36,3 Prozent der Unternehmen als eigenkapitalschwach, im Baugewerbe 32,9 Prozent und im Transportgewerbe 31,5 Prozent. Finanziell auf festeren Füßen stehen die Bereiche Finanzdienstleistungen und Chemie/Pharma, wo lediglich 13,7 bzw. 16,9 Prozent der Unternehmen zu schwach mit Eigenkapital ausgestattet sind.
Aus den bei Creditreform gesammelten Erfahrungen von Lieferanten, Kreditgebern und Geschäftspartnern zeichnet sich eine Verbesserung der Liquiditätssituation in den deutschen Unternehmen ab. Der Zahlungsverzug lag mit durchschnittlich 12,7 Tagen im zweiten Quartal 2010 um 0,5 Tage unter dem Vorquartalswert. Gegenüber dem ersten Quartal des Krisenjahres 2009 haben sich die Verzögerungen um 1,2 Tage verringert. Baubetriebe (14,3 Tage) und Logistiker (13,1 Tage) benötigen die meiste Zeit, bis offene Zahlungsverpflichtungen ausgeglichen werden. Die Chemiebranche zahlt mit einer mittleren Verzögerung von 10,6 Tagen vergleichsweise schnell.
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